Wachauer Ecken und Kanten zeigt Erich Machherndl

Erich gilt mit seinen 44 Jahren als junger Wilder unter den Wachauer Winzern, denn seine Weine müssen ihm gefallen, egal was analytisch stimmt und dafür wird unermüdlich experimentiert. Aus Fehlern lernen und auf sein Bauchgefühl hören, so führt der gelernte Medizintechniker seit 1998 den elterlichen Betrieb. Sein Vater hat ihm alles beigebracht, bevor er ihm die 8ha Weinberge in Wösendorf übergab. 

 

Der Gr. Veltliner Smaragd (ab 12,5% Alk.gehalt) Steinwand auf Maische wird nur gerebelt (keine Ganztraubenpressung) und so schonend angepresst. Dann mehrere Tage auf der Maische belassen, was immer mit Risiken behaftet ist, bevor er in den Stahltank kommt. Damit erzeugt er eine spannendes Aromabild von der leicht bitteren Orange bis zur floralen Blumigkeit (rechtes Glas Trübung mit geschütteltem Hefelager) 

Diese Leidenschaft begeistert uns und die impulsive Ausdrucksweise seiner exakten Beschreibungen fordert unsere volle Konzentration.

 

Sehr schön trocken und exotische Düfte zeigt der Riesling Federspiel Mitz&Mütz. Die Mineralik findet seinen Meister im Smaragd Kollmütz, der nach Zitronentorte und Weinbergpfirsich schmeckt und mit kräftigem Abgang belohnt. Nachdem wir jetzt 8 Gr. Veltliner und 4 Rieslinge verkostet haben, kommen die ersten Rufe nach Abendessen auf. "Eine Weinprobe bei mir dauert so an die 4 Stunden..." ruft Erich und verschwindet im eigenen Keller. Schnell reservieren unsere Wiener Freunde noch einen Tisch beim Hirtzberger.

 

Wir werden mit einem 1985er Rheinriesling Kollmütz überrascht, der noch unglaubliche Säure und Mineralik trotz des Alters aufweist. Neben Langlebigkeit wird uns ein weiteres Credo seiner Arbeit verdeutlicht. die Biodiversität. Er arbeitet ohne Herbizide und Pestizide und so konnten auf  den Gräsern, Sträuchern und Marillenbäumen im Weinberg ca. 100.000 Honigbienen angesiedelt werden.

Die "kalten" Jahrgänge 2002, 2008, 2010 und 2014 sind eher seine Favoriten, obwohl er gerade mal 22.000 Flaschen gegenüber fast 55.000 in 2015 abgefüllt hat. Dass er neben 45% Gr. Veltliner und 16% Riesling auch noch andere weiße und rote Reben anbaut, zeigt er im letzten Flight vom Weißen und Grauen Burgunder bis zum Chardonnay und dem fast roten maischevergorenen Grauburgunder Postolern. Rote Beerenfrüchte zeigt dieser Weißwein, wie sie dichter kaum sein können. Sowas gibt es nur selten zu verkosten und zeichnen diesen Charakterkopf aus.

 

Sicher nicht unser letzter Besuch in der Wachau.

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